Dies schreibt der Gusto über uns:

   
Unterer Markt 35, 91275 Auerbach
09643-2052225, www.restaurant-soulfood.com
Mi-So 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di RT
Hauptgerichte: 9-21 €, Menüs: 33-56 €
 

Fünf Jahre führen Christiane Heß und Michael Laus nun schon ihr schnörkellos eingerichtetes Restaurant im Ortskern des oberpfälzischen Auerbach, das die beiden in der Zeit peu a peu renoviert haben und dessen Küche die beste und interessanteste zwischen Nürnberg und Leipzig ist. Letzte Neuerung sind die modernen schwarzen Stühle, die perfekt ins zeitlos schlichte Ambiente passen.

Den Namen hätten die jungen Gastgeber nicht besser treffen können: denn es hat wirklich alles denkbar viel Soulfood-Faktor, was hier in moderner, aber nicht zu sehr verkünstelter Art und Weise auf individuell gestalteten Keramik-Tellern und Schüsseln aus dem Atelier von Ingrid Zinkgraf serviert wird! Gar nicht so selbstverständlich, in einer Zeit, in der sehr viele handwerklich top ausgebildete und hoch ambitionierte Köche nach wie vor noch mehr die Optik und das perfekte Finish ihrer Kreationen im Blick haben, als deren Geschmack.

Michael Laus' Gerichte sind eine entspannte Liaison aus beidem. Sie sind kreativ, nicht selten originell und mit sehr viel Präzision zubereitet, wirken dabei aber so unangestrengt und lässig, als ob sie einfach nur "lecker" sein sollen. Mit ausgesprochen guten, frischen (und gar nicht so exklusiven) Produkten, cleveren Kombinationen, deutlichen Aromen und dem Blick fürs Wesentliche, bringt es der Chef sehr viel weiter als so mancher Techniker oder Pinzettenkünstler unter den Köchen.

Aufwändig ist das natürlich trotzdem alles. Und einen zweifachen Küchengruß lässt sich das Team – trotz sehr moderater Preise – auch nicht nehmen: zuletzt war das ein Tatar vom US-Beef mit Senf in einer Knusperwaffel-Touille, gefolgt von einem kleinen, konzentrierten Tomatengazpacho mit Stücken von verschiedenen, sehr aromatischen Tomatensorten. So einfach und so gut.

Verschiedene, allesamt schön reife und sehr ausdrucksstarke Melonensorten, die – von intensiven confierten Tomatenfilets ergänzt – auf einem Fundament aus säuerlich-würziger Topfencreme angerichtet waren, stellten das überraschend vielschichtige Geleit für wirkungsvoll große, feste Würfel von gebeiztem Zitronen-Saibling (muss ein fast lachsgroßer Fisch gewesen sein).

Eines der Soulfood-Signature dishes ist die kraftvoll aromatische, dezent mit Säure verschlankte Schaumsuppe von frischen Erbsen nebst knusprigen "Schweinereien" in Gestalt von saftigen Röllchen sous vide gegarten Schweinebauchs und knusprig gepoppter Schwarte. Die sind auf einen dicken, à part zum Süppchen servierten Röstbrot-Streifen drapiert und von einer milden Senfcreme unterfüttert.

Bei der gebackenen Soft Shell-Crab, die zusammen mit verschiedenem gegrilltem Ratatouille-Gemüse auf fruchtiger Paprikasauce mit feiner, eleganter Süße und der milden Würze von jungem Basilikum angerichtet war, beeindruckte besonders der selbst hergestellte, verblüffend perfekte Tempura-Teig, der hauchdünn, kross und ohne jede störende frittierfettige Note als reizvolles Knusperkleid um den zarten Butterkrebs lag.

Eines der besten Herz-Kalbsbries der vergangenen Testsaison – zwar sous-vide gegart, aber vor dem Servieren noch kräftig röstaromatisch in Nussbutter angebräunt – bekamen wir in Kombination mit einem come il faut cremig-schlotzigen Pfifferlings-Risotto vom Acquerello-Reis, der attraktiv mit frischen gebratenen Pfifferlingen und Wildkräutern angereichert war.

Und eines der besten Lachsfilets erreichte uns hier ebenfalls: mit krosser Haut, zart glasigem, festem und zugleich buttrig-schmelzigem Fleisch und einer selbst hergestellten Gemüsesalz-Mischung beflockt. Dazu ein Wokgemüse aus Karotte, Zuckerschote, Stängelkohl und Ingwer sowie prägnanter Zitronengrasschaum.

Weil die Küche auch bei den süßen Sachen das Niveau so konstant hält und sich schon seit Jahren immer wieder ein bisschen gesteigert hat, gehen wir diese Entwicklung mit und erhöhen die Bewertung auf 7 Pfannen. Mit Dingen wie einer in weiße Schokolade gehüllten Kaffee-Kirsche nebst intensiv fruchtigem Schwarzkirschsorbet und säuerlicherem Kirschgel oder einem Himbeer-Parfaittörtchen mit Pistazien-Coulis, frischen Himbeeren und karamellisierten Pistazien wird auch bei den Desserts auf augenscheinlich gar nicht so außergewöhnliche, geschmacklich aber dann doch irgendwie überraschende Akkorde gesetzt.

Zur relaxten Atmosphäre passt nicht nur die smoothe Musik, sondern auch die lockere, aber nie nachlässige Gangart des Service unter der Leitung von Gastgeberin Christiane Heß.