Dies schreibt der Gusto über uns:

   
Unterer Markt 35, 91275 Auerbach
09643-2052225, www.restaurant-soulfood.com
Mi-So 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di RT
Hauptgerichte: 9-21 €, Menüs: 39-64 €
 

“Klein, aber fein!” passt nur selten so gut und wenig klischeehaft wie im SoulFood am Auerbacher Marktplatz, in dem ein junges engagiertes Team die Selbstständigkeit mit spürbarer Begeisterung und klarem Konzept an die Gäste trägt. Hinter dem unscheinbaren Eingang öffnet sich ein schlichter, freundlich reduziert eingerichteter Raum mit eleganter Individualität, der von der Begrüßung weg vom unkompliziert charmanten Auftreten der Service-Damen rund um Christine Heß belebt wird. Man fühlt sich unmittelbar wohl.

Vor allem aber punktet die Küche (bei frappierend günstigen Preisen) mit schlagkräftigen, einfallsreichen Gerichten. Diese begeistern – ganz ohne manierierte Basteleien – durch viel Punch und markante Akzente, wie etwa schon beim ersten Snack in Form eines ätherisch scharfen Rindertatars im Knusperhörnchen oder dem säurefrischen Thunfisch-Tatar und -Sashimi nebst Ananas, Gurke, Avocadocreme und Wasabi, dem Reiscräcker und Erdnüsse Crunch und Röstaromen beisteuerten.

Wie clever Michael Laus seine Gerichte aufbaut, illustrierte die Kombination von Topinambur und Apfel: kompakt auf- und ineinander angerichtet ergaben Creme gegarte Stücke, rohe Scheiben und Chips vom Topinambur sowie verschieden große rohe Apfelstücke ein breites Spektrum zwischen nussig, mildsüß und fruchtig. Fein scharfgestellte Akzente lieferten eine süß-sauer-frische Vinaigrette aus getrockneten grünen Apfelschalen und eine helle pfeffrige Gewürzmischung. Das braucht keinen hohen technischen Aufwand, ergibt aber dennoch einen vielschichtigen, fein nuancierten Gesamteindruck.

Bei der Bouillabaisse kam mit einem asiatischen Kokos-Zitronengras-Sud inklusive forscher (fast vorlauter) Ingwerschärfe eine sehr mutige Interpretation des französischen Klassikers. Aber eine gelungene: dicht, harmonisch und vor allem mit topfrischer, exakt gegarter Einlage aus sautiertem Kohl, Calameretti, Pulpo und Rotbarbe. Alles eigenaromatische Protagonisten, die sich souverän behaupten konnten. Und ein Gang, der auch sonst überall klar in die Kategorie „Soulfood” passen würde. Genau dahin gehörten auch die Dim Sum von der Entenbrust in Teriyaki-Sauce und knackig frischem Frühlingslauch-Basilikum-Topping. Allerdings stellten diese durch die etwas zu dominant klebrige Süße in der Sauce unter dem Strich auch den schwächsten Gang unseres letzten Menüs. Hier fehlte ein Gegenpol durch präsentere Chili-Schärfe und/oder Säure.

Alles im Lot dagegen beim sanft glasig-zart gegarten Seeteufel auf Kartoffel-Creme und einer röstig-bitterfruchtigen roten Paprikasauce, dem knackige Passepierre-Algen und einige Kartoffel-Croûtons für einen pointierten Eindruck genügten. Abschließend erfrischte eine Joghurt-Panna Cotta mit markanter Rosmarin-Note, karamellisierten Pistazien, einer Pistazien-Traubenkernöl-Emulsion und Himbeersorbet oder ein dezent hefearomatisches Milcheis mit gegrilltem Brioche, gerösteten Mandeln und karamelliger weißer Schoko-Creme (etwas eindimensional). Aber auch die Waltmann-Käse gehören zu den besseren, weil gut ausgewählten und gereiften Exemplaren unter den mittlerweile inflationär verbreiteten Produkten des Erlanger Affineurs.

Ebenfalls klein aber fein ist die Weinauswahl mit Schwerpunkt Deutschland und Europa, offenen Weinen außerhalb der landläufigen Prominenz und treffsicheren begleitenden Empfehlungen.