Dies schreibt der Gusto über uns:

   
Unterer Markt 35, 91275 Auerbach
09643-2052225, www.restaurant-soulfood.com
Mi-So 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di RT
Hauptgerichte: 16-26 €, Menüs: 39-66 €
 

Wenn sie so schnörkellos, bodenständig, unaufgeregt und professionell daherkommt, wie im Soulfood in Auerbach, dann kann anspruchsvolle Gastronomie auch in der oberpfälzischen Provinz sehr erfolgreich funktionieren! Seit fast sieben Jahren sind Christiane Heß und Michael Laus nun schon in ihrem zeitlos schlicht eingerichteten Restaurant zugange und können sich über ein am Abend stets gut besuchtes Lokal freuen. Und sogar am Mittag hat die beste Ess-Adresse zwischen Nürnberg und Leipzig geöffnet, was sie für einen ausgiebigen Lunch-Abstecher von der nahegelegenen A9 ganz besonders attraktiv macht. So oder so hat man es hier mit einer hervorragenden Küche zu tun, die modern, kreativ und leicht ist, einfallsreich präsentiert wird, aber nicht zu verspielt, kleinteilig oder sonstwie elaboriert daherkommt.

Im Gegenteil: Michael Laus ist kein eitler Bastelkünstler, sondern bietet seinen Gästen lieber viel gutes Produkt und harmonischen Geschmack in Form unkompliziert zugänglicher Kompositionen. Der Name könnte deshalb nicht treffender sein, denn was hier in moderner Art und Weise auf individuell gestalteten Keramik-Tellern und Schüsseln aus dem Atelier von Ingrid Zinkgraf serviert wird, hat in der Tat jede Menge Soulfood-Faktor. Die Gerichte aus ausgesprochen guten, frischen und gar nicht so exklusiven Produkten bieten clevere Kombinationen, deutliche Aromen und sind mal eher klassisch, mal originell und kreativ, aber immer mit sehr viel Präzision zubereitet. Dennoch wirkt alles vollkommen unangestrengt.

Schon an Kleinigkeiten wie dem proper frischen Kabeljautatar mit Limette und Senf im Cornetto, dem nussig-fruchtigen Ensemble mit schöner Säurestruktur aus Topinambur, Nashi-Birne und Granatapfelkernen, oder den verblüffend fein gearbeiteten, in Panko gebackenen Sushi-Röllchen, die mit Lachs, Avocado und Mango gefüllt und mit etwas Terriyakisauce nappiert waren, kann man die Klasse der Soulfood-Küche erkennen. Eine sehr reizvolle schmelzig-festfleischige Textur hatten im Anschluss die dicken Scheiben von der confierten Jakobsmuschel, die mit einem nicht zu süßen Mangogel und Kresse getoppt in einem mit Dillöl und Schwarzem Sesam gewürzten Buttermilchsud schwammen. Schön pur, geradlinig und subtil, mit klarem Fokus auf dem Hauptprodukt und trotzdem äußerst dynamisch.

Ganz klassisch und kraftvoll kam der mildwürzige „Risotto“ aus Fregola Sarda mit frischen, festen, aromatischen Pfifferlingen daher, der von fantastischem Kalbsbries geadelt wurde. Eben nicht wie leider so oft von kleinen, trockenen Fitzelchen, sondern von dicken, saftigen Stücken, die genau so groß waren, dass sie – traditionell in Nussbutter gebraten –  ihre ganze Delikatesse voll zur Geltung bringen konnten. Auf die cremige Opulenz dieses Gangs folgte wieder eine leichte, sommerlich frische Variante der Soulfood-Küche, nämlich eine ziemlich optimale Tranche vom Adlerfisch, der zusammen mit einer Nocke intensiv-schmorwürzigem Tomatensugo und verschiedenen roh marinierten Tomatensorten von beeindruckend vollem Geschmack sowie Basilikum und Rauke auf einem leicht gelierten, estragonduftigen Rieslingsud angerichtet war. Auch hier wurde wieder mit relativ einfachen Mitteln, aber eben mit dem richtigen Gespür für das Wesentliche, erstaunlich viel vollbracht.  

Sein gutes Gespür für asiatische Geschmacksbilder bewies Michael Laus dann einmal mehr beim Hauptgang rund um eigenaromatische Brust vom Kikok-Huhn, die auf knackigem Wokgemüse (Zuckerschoten, Karotte, Shii-Take-Pilze, Basilikum, knusprig gepoppter Wildreis…) und einem auf Basis von kräftigem Geflügelfond hergestellten Tom-Yam-Gai-Sud mit einem perfekt balancierten Aromemspiel von Süße und Würze angerichtet war. Hier könnte man allenfalls kritisieren, dass mit etwas mutigerer Schärfe und Säure prägnante Nadelstiche hätten gesetzt werden können, um das Ganze noch vielschichtiger und dynamischer zu gestalten.   

Auch die schnörkellos pointierten Desserts wie der markante Dreiklang um verschiedene Komponenten von Rhabarber und Erdbeere mit schmelziger weißen Schokoladenganache oder die Rosmarin-Panna cotta mit eingelegtem Weinbergpfirsich, einem volltönenden Sorbet vom Blutpfirsich und Schoko-Crumbles zeugen von souveränem Handwerk und ausgereiftem Geschmackssinn. Und zur relaxten Atmosphäre im Soulfood passt nicht nur die smoothe Musik, sondern auch die lockere, aber nie nachlässige Gangart des Service unter der Leitung von Gastgeberin Christiane Heß, die auch für stimmige Empfehlungen aus der klug gestrafften und interessant bestückten Weinauswahl verantwortlich ist.